Muskelerkrankung IBM

…Erfahrungsbericht eines Betroffenen

2006 bis zum Herbst 2007

Abgelegt unter: Beginn und Fortschritt meiner Erkrankung — admin at 10:40 am on Dienstag, Oktober 16, 2007

Die Krankheit verschlechtert sich weiter schleichend. Muskeln sind gleichmäßig verteilt im ganzen Körper betroffen.Hier schreibe ich einmal auf, welche Muskelpartien durch die Einschlusskörpermyositis bei mir betroffen sind, und welche Schwierigkeiten das bei mir macht :

Kopf und Hals

Die Muskel der Augenlider sind beim Öffnen schwieriger zu kontrollieren.

Beim Liegen können die Nackenmuskel meinen Kopf kaum noch anheben.

Die Schluckmuskulatur ist ebenfalls betroffen. Ich habe Schwierigkeiten Tabletten und Nahrungsmittel zu schlucken. Es bleiben oft Reste stecken , welche ich mit allen möglichen Tricks versuche runter zu schlucken.

Finger, Hände und Arme

Da die Finger sich nicht schließen lassen , kann ich viele Dinge nicht greifen . Je kleiner desto schlechter geht es. Da auch die Kraft in den Händen und Armen fehlt, kann ich mich nicht richtig festhalten , oder beim Aufstehen abstützen. Zähneputzen , Kämmen, Waschen, Duschen und Anziehen sowie der Toilettengang geht nur mit Hilfe meiner Frau. Sie muss mir das Essen und Trinken mundgerecht zubereiten und hinstellen bzw. anreichen.

Rücken

Aufrichten vom Liegen, oder das Drehen im Bett beim Schlafen, geht auch nur mit Hilfe , so das meine Frau auch des Nachts leider für mich da sein muss.

Beine , Knie und Füße

Die Oberschenkel sind so schwach, so das ich inzwischen, um aufstehen zu können, eine Sitzhöhe von mindestens 65 cm brauche. Ich fahre z.B. den Rollstuhl auf diese Höhe , rutsche dann nach vorne, und stehe dann mit gestreckten Beinen auf. Meine Frau gibt mir meine Krücken , ich verriegele dann meine Kniegelenke, die vollständig instabil sind, und kann so noch einige Schritte in der Wohnung gehen. Die Fußhebermuskeln sind ebenfalls betroffen, so dass ich die Füße höchsten 2 cm hochbekomme, und somit auch keine Unebenheiten oder Steigungen bewältigen kann.

Behandlungsmöglichkeiten gibt es die IBM-Einschlusskörpermyositis immer noch nicht.

Ich bekomme durch meinen Hausarzt weiter jede Woche zweimal Krankengymnastik und Manuelle - Therapie verordnet. Das bringt wenigstens etwas Abwechslung in meinen Alltag .

2003 Urlaub auf der Norseeinsel Borkum

Abgelegt unter: Urlaub mit Behinderung — admin at 11:17 am on Montag, Oktober 15, 2007

Aufgrund meiner krankheitsbedingten Einschränkungen suchten wir im Jahr 2003 eine Behindertengerechte - Ferienwohnung. Wir wollten möglichst nicht zu weit fahren , da meine Frau zum ersten Mal den Fahrer für mich spielen musste. Nach langem Suchen stießen wir auf ein Angebot auf der Nordsee - Insel Borkum . Es war ein Bad mit einer ebenerdigen Dusche sowie eine erhöhte Toilette mit Haltegriffen vorhanden. Auf Rückfrage wurde mir dann auch eine Betterhöhung ermöglicht. Außerdem waren alle Türen und Räumlichkeiten so gestaltet , dass man überall mit dem Rollstuhl hinkommen konnte. Also buchten wir die Wohnung für zwei Wochen.Es war unser erster Urlaub in dem ich auf einen Rollstuhl angewiesen war. Für mich und meine Frau also vollkommendes Neuland. Das ging schon beim Planen los, was muss für mich alles mitgenommen werden, damit ich und meine Frau mit der Situation klarkommen konnten. Außer dem normalen Urlaubsgepäck musste der Rollstuhl , die Krücken, und auch eine Toilettenerhöhung mit.

Dann war es soweit, wir fuhren durch Holland bis zum Fährhafen Eemshaven an der holländischen Nordseeküste. Da ich auf der Fähre nicht im Auto bleiben durfte, brachte mich meine Frau zuerst mit dem Rollstuhl aufs Schiff. Danach fuhr sie erst den Wagen auf die Fähre. Alles viel umständlicher wie man es als Gesunder gewohnt ist. Die Überfahrt dauerte rund eine Stunde , und man konnte schon mal das Meer genießen. Auf Borkum angekommen, wieder alles in umgekehrter Reihenfolge , Auto vom Schiff und dann mich mit dem Rollstuhl über eine Rampe runter , und wieder ins Auto.

Nach einigem Suchen , Ankunft bei unserer Wohnung . Die Vermieter waren sehr nett , zeigten uns die Wohnung , und erklärten uns die Geräte . Ebenso gaben sie uns einen Plan der Insel, und zeigten uns darauf die Sehenswürdigkeiten. Für mein Bett hatten sie eine Erhöhung angebracht , so dass ich ohne Schwierigkeit aufstehen konnte.

Dann die ersten Ausflüge , mit dem Rollstuhl alles nicht so einfach . Da meine Kraft in den Händen und Armen ja auch nicht mehr gut war , musste meine Frau mich doch alleine schieben. Vor allem beim Schieben auf den Deich , und da wo zum Teil Sand war, ging es nicht besonders . Wir haben daraufhin diese Stellen immer versucht zu vermeiden, was leider nicht immer möglich war.

Da ich so nicht alle schönen Stellen der Insel erreichen konnte, habe ich mich an einigen Tagen Vormittags auf der Terrasse in die Sonne gesetzt , und ein Buch gelesen. Meine Frau konnte dann mit dem Fahrrad auf Erkundung gehen. Das machte sie allerdings nur ungern, da sie mich nicht gerne alleine lassen wollte.

Das Wetter spielte gut mit , so konnten wir jeden Tag draußen sein , und die gute Luft genießen.

Zum Schluss der Ferien bekam meine Frau dann leider Schmerzen im Rücken, was wohl durch das ständige Schieben des Rollstuhls ausgelöst wurde. So gestaltete sich der Abschied von der Insel etwas schwieriger als die Ankunft.

Wir waren dann Beide doch sehr froh , als wir wieder vor unserem Haus standen, und wieder alles seinen gewohnten Gang nehmen konnte.

2005 weitere Hilfsmittel u. Pflegestufe II

Abgelegt unter: Beginn und Fortschritt meiner Erkrankung — admin at 11:08 am on Samstag, Oktober 13, 2007

Im Laufe der letzten Monate musste ich um aufstehen zu können meine Sitzhöhen weiter nach oben korrigieren. So konnte ich dadurch nicht mehr unsere normalen Sesseln , Sofa und Stühle benutzen. Zuerst habe ich einen unserer Esszimmerstühle vom Möbelschreiner auf eine Sitzhöhe von 60 cm ändern lassen.Als nächstes schaffte ich mir einen Sessel mit einer elektrisch betriebenen Aufstehhilfe an . Das Aufstehen ging hiermit zunächst super. Auch hat der Sessel eine Liegefunktion , so das ich nicht immer nur sitzen muss. Das hat sich, durch die unterschiedlichen Druckbelastungen , sehr positiv auf meinen Rücken ausgewirkt. Die Verspannungen wurden etwas erträglicher.

Da ich inzwischen , trotz der durch das Einlegekissen um 10 cm erhöhten Sitzhöhe, auch nicht mehr aus dem normalen Rollstuhl aufstehen konnte, wurde mir nach Rücksprache mit meinem Hausarzt und dem Sanitätshaus , ein Elektrischer Rollstuhl mit einem Sitzhub verschrieben.

Ich reichte das Rezept am 31.03.2005 bei meiner Krankenkasse ein. Nach einer Wartezeit von ca. 6 Wochen erhielt ich am 11.05.2005 die Ablehnung durch die Krankenkasse. Begründung war, dass der MDK der Meinung sei , das der E-Rollstuhl mit dem Sitzhub für mich nicht nötig wäre. Ich fiel aus allen Wolken, da der MDK mich gar nicht neu begutachtet hatte, und somit meinen derzeitigen Zustand meiner Meinung nach nicht beurteilen konnte. Ich hatte inzwischen das Haus schon etliche Monate nicht mehr verlassen können.

Deshalb legte ich am 12.05.2005 Wiederspruch ein. Ich schilderte darin noch einmal meinen Zustand , und wies daraufhin , dass es mir so nicht möglich sei am öffentlichen Leben teil zu nehmen .

Dann am 29.06.2005 endlich die Genehmigung durch die KK und durch den MDK.

Nun dauerte es dann doch noch ca. 3 Wochen bis der Rollstuhl geliefert wurde.

Was für ein Glücksgefühl, “endlich einmal alleine durch den Ort fahren, und danach, durch den Sitzhub, selbständig aus dem Rollstuhl aufstehen können “ .Ich erhielt dann noch eine transportable Rampe , so das ich auch , trotz der Stufen , ins Haus hinein und heraus fahren konnte.

Da ich zunehmend durch das lange Sitzen Druckstellen bekommen habe , verschrieb mein Hausarzt mir ein Kissen zur Druckentlastung . Dieses wurde mir ohne Schwierigkeiten durch die KK genehmigt. Für mich war das Sitzen jetzt viel besser zu ertragen.

Inzwischen war ich noch mehr auf die Hilfe durch meiner Frau angewiesen , deshalb stellte ich am 01.11.2005 einen Verschlechterungsantrag bei der Pflegeversicherung. Die Begutachtung durch den MDK fand am 30.12.2005 statt.

Die Bewilligung der Pflegestufe II durch den MDK und durch die Pflegeversicherung erfolgte am 12.01.2006.

2004

Abgelegt unter: Beginn und Fortschritt meiner Erkrankung — admin at 10:12 am on Freitag, Oktober 12, 2007

Meine Erkrankung ( IBM-Einschlusskörpermyositis ) verschlechterte sich weiter schleichend, was sich vor allen Dingen beim Aufstehen aus einer sitzenden Position , und weitere Verminderung meiner Greiffähigkeit und Kraftverlust in den Händen und Armen , bemerkbar machte. Ich konnte auch nicht mehr in die Duschtasse hinein steigen , die Höhe des Randes war nicht mehr zu überwinden. Deshalb musste ich mich mit dem Umbau unseres Bades befassen. Da ich auch , trotz einer Sitzerhöhung von 10 cm, nicht mehr von der Toilette aufstehen konnte, musste diese ebenfalls geändert werden. Ich entschied mich nach einer Beratung , einen Toilettentopf von 50 cm Höhe einzubauen außerdem wurden auf jeder Seite Haltegriffe angebracht. Die Duschtasse musste ebenerdig eingebaut werden, so das ich ohne Schwierigkeiten mit meinen Krücken hinein gehen konnte, oder später auch evtl. einen Duschstuhl benutzen kann. Haltegriffe wurden ebenfalls eingebaut. Für den Umbau des Bades erhielt ich auf meinen Antrag hin, und nach Prüfung durch den MDK, von der Pflegekasse einen Zuschuss in Höhe von rund 2500 Euro.

Schwerbehindertenausweis, Pflegestufe, Hilfsmittel 2002 bis 2003

Abgelegt unter: Beginn und Fortschritt meiner Erkrankung — admin at 11:17 am on Mittwoch, Oktober 10, 2007

2002 stellte ich zum ersten Mal einen Antrag auf Erteilung eines Schwerbehindertenausweises. Dieser wurde mir am 28.05.2002 ausgestellt. Ich bekam 50 % mit dem Merkzeichen G ( gehbehindert ).

Am 01.02.2003 habe ich auf Anraten meines Hausarztes einen Antrag auf Einstufung in die Pflegekasse gestellt. Am 19.03.2003 wurde ich dann durch den MDK begutachtet. Es war eine sehr freundlich Frau , die sich alle meine Behinderungen schildern lies . Da ihr meine Krankheit noch nicht untergekommen war , habe ich ihr diese erst einmal erklärt. Ich musste ihr dann noch zeigen, wie ich mich noch bewegen konnte, und wie meine Frau mir bei den verschiedenen Verrichtungen behilflich sein musste.

 Am 16.04.2003 bekam ich dann die Nachricht, dass mir die Pflegestufe I ab dem 01.02.2003 zustehen würde.

Die Gewährung der Pflegestufe ist für uns Behinderte , deshalb so wichtig , da wir ohne diese keine Hilfsmittel und Zuschüsse zu Umbauten erhalten würden .

Da ich keine langen Strecken mehr gehen konnte, erhielt ich im Januar 2003 meinen ersten Rollstuhl , er war zusammenklappbar, und meine Frau konnte ihn im Auto verstauen. Für mich hieß das, ich konnte wieder mit meiner Frau Spaziergänge unternehmen.

Da meine Schwierigkeiten beim Treppensteigen sich dramatisch verschlechterten , musste ich mir , da wir die Schlafräume im ersten Stock haben , etwas einfallen lassen. Also lies ich mich beraten , und entschied mich für einen Treppenlift.

Eine allerdings sehr teuere Angelegenheit . Der Preis betrug ungefähr 12.500 Euro , wovon die Pflegekasse auf Antrag ca. 2500 Euro übernahm. Was für ein Gefühl , wieder ohne Schwierigkeiten ins Obergeschoss zu kommen.

Wegen der fortschreitenden Einschränkung meiner Beweglichkeit , stellte ich einen Verschlechterungsantrag in Bezug auf den Schwerbehindertenausweis. Am 6.09.2003 erhielt ich dann einen Behinderungsgrad von 80 % aGB ( außergewöhnlich Gehbehindert , mit Begleitperson ) .

So konnte ich dann eine Befreiung von der Kraftfahrzeugsteuer , sowie einen Parkausweis für die Benutzung von Behindertenparkplätze erhalten.

Da ich um Aufstehen zu können, meine Sitzhöhe immer weiter erhöhen musste , habe ich mir etliche Sitzkissen angeschafft. Diese hatten eine Höhe von 10 cm , und ich legte sie auf alle Sitzgelegenheiten , auch auf den Rollstuhl . So betrug die Sitzhöhe ca. 55 cm , und ich konnte dann wieder einigermaßen gut aufstehen , und mit Krücken im Haus einige Schritte gehen.

Für mein Bett, wurde mir von der Pflegekasse im Dezember 2003 ein elektrischer Bettrahmen, mit einer Hebefunktion genehmigt, so das ich auch wieder besser aus dem Bett konnte.

Das war der Verlauf im Jahr 2003